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Eine Tragödie, es herrscht wieder Krieg in Europa. Manche Christen überrascht das nicht, denn die Welt wird aus ihrer Sicht von Satan regiert. Für Fundamentalisten gibt es nur eine Lösung: Das Gottesreich auf Erden zu errichten.

Am 24. Februar 2022 haben die russischen Streitkräfte die Ukraine angegriffen und einen Krieg begonnen, dessen Verlauf ungewiss ist. Es ist ein ebenso historischer wie zutiefst traumatisierender Tag – nicht nur für die Ukrainer selbst, die unmittelbar betroffen sind und viele Tote zu beklagen haben. Auch bei uns fliessen Tränen, herrscht Betroffenheit und Wut. Es ist ein Trauma für Europa, das bereits jetzt Wellen schlägt. Lasst uns beten, dass der Wahnsinn des Krieges nicht noch einmal über Europa fällt wie vor Hundert Jahren.

Die Konsequenzen der letzten Kriegstage in der Ukraine sind heute schon überall spührbar, sowohl psychisch, ökonomisch als auch politisch. Europäische Staaten wie Deutschland rüstet nach Jahrzehnten beispielloser Abrüstung (Bundeswehr: 1960er-Jahre ca. 2700 Kampfpanzer, Stand heute: ca. 300) wieder auf. In der Energiepolitik in Europa beginnt eine echte Kehrtwende von fossilen Energieträgern. Und die westlich-demokratischen Staaten beginnen sich bewusst zu machen, wie borniert und spiessbürgerlich ihre inneren Streitigkeiten (bspw. zwischen Links und Rechts) angesichts der globalen Grossmachtspolitik sind.

Es ist nicht alles schlecht, denn wir werden uns auch bewusst, wie wertvoll Frieden ist und wie privilegiert wir als deliberative Demokratien in Europa sind. Nämlich eine Volkssouveränität zu haben, die weder wir, noch die ukrainischen Staatsbürger an Machthaber wie Putin oder Xi Jinping abgeben werden. Wir haben im Westen Werte, die es wert sind, mit unserem Leben verteidigt zu werden. Zumindest empfindet das eine Mehrheit von Menschen in der Ukraine so, denn dort verteidigen gerade jetzt Menschen ihre und unsere Freiheit mit ihrem Leben.

Trotz all der Trauer und Wut, die dieser Krieg in mir auslöst, der Mut und die Haltung der Ukrainer und Ukrainerinnen inspiriert mich und lässt mich hoffen.


Ich bin kein Militärexperte und möchte auf meinem Blog nicht mehr Worte über Kriegsführung und Politik verlieren. Der israelische Militärhistoriker und Bestsellerautor Noah Yuval Harari erklärt die Gründe und Folgen des Konflikts in einem Ted Talk ausführlich, den ich zu schauen empfehle:  

Empfehlen will ich auch den Journalisten und YouTuber Johnny Harris, der den Konflikt ausführlich und anschaulich illustriert:


In dieser aufwühlenden Zeit ist mir aufgefallen, dass zahlreiche Politiker heute von einem globalen Konflikt zwischen Autoritarismus und Liberalismus ausgehen. Bei dieser Gegenüberstellung drängt sich sofort die Parallele zum Kalten Krieg und dem Konflikt zwischen Kommunismus und Kapitalismus auf. Ohne mich mit diesem Thema politisch tiefer auszukennen, scheint mir dies  intuitiv wahr zu sein.

Und mir scheint, dass es einen solchen Konflikt auch in Kirche und Theologie gibt.